Download Ambivalenzen der Ordnung: Der Staat im Denken Hannah Arendts by Dr. Julia Schulze Wessel, Jun.-Prof. Dr. Christian Volk PDF

By Dr. Julia Schulze Wessel, Jun.-Prof. Dr. Christian Volk (auth.), Julia Schulze Wessel, Christian Volk, Samuel Salzborn (eds.)

Es besteht kein Zweifel, dass Hannah Arendt den klassischen republikanischen Tugenden des bürgerschaftlichen Engagements, der Partizipation und des politischen Handelns in ihrem Werk eine gewichtige Bedeutung verliehen hat. Ihr politisches Denken lebt von öffnenden Begriffen wie der Natalität, dem Anfang, der Pluralität, der Spontaneität oder der Freiheit des Menschen, etwas beginnen zu können. Und dennoch ist dieses Denken nur ein Teil von ihr und steht in einer konzeptionellen Beziehung zu einem dezidierten Ordnungsdenken, das in der Forschung bislang vernachlässigt wurde. Dieses stärker in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu rücken, ist das Anliegen dieses Bandes. ​​ ​

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Neumann – charakterisieren als eine Diffusion von Herrschaftszentren und damit letztlich die Auflösung einer tatsächlichen Zentralgewalt zugunsten von vielen, wechselseitig und durchaus widersprüchlich agierenden Gewaltorten, so dass der Totalitarismus in dieser Perspektive nicht mehr zentralistisch organisiert, sondern dezentral desorganisiert ist. Als säkularisiertes und manichäisches Glaubenssystem erstrebt er die bedingungslose und vollständige Kontrolle des öffentlichen und privaten Lebens, deren Differenz durch physische und psychische Gewalt rücksichtslos unterbunden wird.

26 Die Herrschaft über die eroberten Völker ließ sich also am besten durch eine strikte Demarkation zwischen Herrschenden und Beherrschten aufrechterhalten - einer Beherrschung, die nicht etwa durch Gewaltentrennung, sondern durch das Pflichtgefühl des imperialen Offiziers (welches wiederum auf dem Bewusstsein, einer überlegenen Gesellschaft anzugehören, basierte) moderiert werden sollte. 27 Die Wucht von Arendts Analyse des imperialistischen Charakters – illustriert an Lord Cromer – manifestiert sich darin, dass Arendt so aufzeigt, wie die imperialistische Erfahrung dazu führt, die westlichen moralischen Standards zu karikieren und zu degradieren.

Für den Historiker, dem der Entwicklungsgang der europäischen Völker und das Heraufkommen des Nationalstaatensystems gegenwärtig ist, wird das selbstverständlich sein, aber den Nazis, die ehrlich davon überzeugt waren, daß Antisemitismus sich als eine Art gemeinsamen Nenners für ganz Europa herausstellen werde, kam dies als eine große Überraschung. 70 69 70 Arendt 1964, S. 233. Siehe auch Arendt 1964, S. 232ff. , S. 193. 34 Dana Ionescu & Samuel Salzborn In Staaten wie Bulgarien und Frankreich existierte zwar ein historisch gewachsener und gesellschaftlich weitverbreiteter Antisemitismus, dennoch herrschte nur ein geringes Verständnis gegenüber den Vernichtungsvorhaben, so Arendt: Am erstaunlichsten ist aber, daß sie (die Bulgaren; Anm.

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